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Montag, 4. Juli 2016

Reisen mit einem Kleinkind (Toddler Busy Bag & ein kleines Reisevideo)

Mit einem dreijährigen Kleinkind zu verreisen kann sicherlich sehr stressig und anstrengend sein. Obwohl ich mein Patenkind Juli sehr, sehr gut kenne und weiß, dass er meistens ein kleiner Goldschatz ist, hatte ich dennoch großen Respekt vor unserer ersten Flugreise zu zweit, bei der ich ganz alleine vier Tage lang die volle Verantwortung für uns beide tragen würde. Letztes Jahr im Herbst waren Resi und ich zusammen mit Juli für ein paar Tage in Dublin und da war zwar schon alles mit einigen Kompromissen wirklich super, aber so ein halbes Jahr kann natürlich ganz schön viel ausmachen und mit einem Kleinkind alleine zu verreisen ist natürlich auch nochmal etwas ganz anderes. Als leidenschaftliche Planerin und ständige Sorgenmacherin hatte ich schon Wochen vor unserer Reise nach Dublin überlegt, wie ich Juli unterwegs und insbesondere im Flugzeug beschäftigen und bei Laune halten könnte. Pinterest (Stichwort: toddler busy bag) lieferte mir dabei einige wunderbare Inspirationen, sodass ich für wenig Geld ganz viele tolle Kleinigkeiten in Julis Kinderucksack steckte, von denen ich mir erhoffte, dass sie Juli in eigentlich eher öden Phasen und Wartezeiten Spaß und Freude bereiten würden.


Ungefähr die Hälfte der Dinge, die ich einpackte, stammte aus Julis Bücherregalen und Spielzeugkisten: Ein extradickes und handliches Wimmelbuch, diverse Pixi-Bücher (all time favourites und zur Abwechslung auch seltener gelesene Exemplare), einige "Arbeitsblätter"/Ausmalbilder aus seinem Beschäftigungsblock, ein Tier und zwei Bänder aus seinem Fädelspiel und ein paar Stickerbögen - all das sind Dinge, von denen ich wusste, dass sie Juli fast immer Spaß machen und ihn für einige Minuten beschäftigen können. Für den Überraschungseffekt ergänzte ich diese bekannten Sachen noch mit einigen neuen Kleinigkeiten, die ich fast alle bei Action (falls ihr das nicht kennt: Allerbester günstiger Krimskrams-Laden, tausendmal besser als andere 1€-Shops) einkaufte: Eine Mini-Zaubertafel, ein Mini-Spirograph, ein kleines Knetset, ein selbstklebendes Mosaikset (alles je 1€!) und ein neues Set Filzstifte. Dazu wanderten neben der Kleinkind-Standard-Ausstattung (Wechselklamotten, Feuchttücher, Pflaster, Trinkflasche, Snacks, etc.) noch ein Tütchen Kekse und Gummibärchen in den kleinen Rucksack und als übertrieben vorbereitete Patentante bastelte ich auch noch ein Wäscheklammern-Zuordnungsspiel, das ich in ähnlicher Form auf Pinterest gesehen hatte.


Resi fragte vor unserer Abreise scherzend, ob ich mit dieser Ausstattung eine Weltreise planen würde und ob Juli bei der Ankunft in Irland nicht schon ganz erschöpft von all der Beschäftigung während des Fluges sein würde, aber es gab mir ein gutes Gefühl, eine recht große Auswahl von Beschäftigungsmöglichkeiten dabei zu haben - just in case. Ich konnte ja nicht absehen, wie Julis Laune dieses Jahr im Flieger zur "Witching Hour" um 17 Uhr sein würde und ob Juli in Dublin nicht aus heiterem Himmel uncharakteristische Wutanfälle an einer Kasse haben würde. Nun ja. Um von vorne anzufangen: Nachdem wir am Frankfurter Flughafen total überteuerte Getränke für den Flug (6,80€ für eine Flasche Wasser, eine Caprisonne und einen Kinderriegel- geht's noch?! Am Dubliner Flughafen kann man sich 'ne Flasche Wasser aus einem Kühlregal nehmen und einfach 1€ in eine "Honesty Box" einwerfen!) eingekauft hatten und Juli begeistert neunundzwanzigmal die Rutsche auf dem Spielplatz am Nachbargate hinuntergerutscht war, wurde unser Flug um eine halbe Stunde verschoben. Dies schien mir ein guter Anlass zu sein, um Juli mein selbstgebasteltes Zuordnungsspiel zu präsentieren, bei dem er zu zwölf verschiedenen Tieren das richtige Futter finden muss. Juli LIEBT es!! Das Spiel war insgesamt eines der Highlights aus seinem Rucksack und Juli wollte es sogar jeden morgen direkt nach dem Aufwachen im Bett spielen, was mir gleichzeitig fünf kostbare Minuten einbrachte, um richtig wach zu werden, nachdem Juli jeden Morgen stolz zwischen 7 und 8 Uhr verkündet hatte: "Die Sonne ist aufgegangen!". Zurück zur Hinreise: Als wir endlich im Flieger saßen, waren Juli und ich mindestens die erste halbe Stunde damit beschäftigt, aus dem kleinen Flugzeugfenster zu schauen, über den Flughafen und den Flug zu sprechen - Unterhaltungen mit Juli sind im Moment ganz besonders interessant und lustig, meine Notiz-App auf dem Handy ist voller grandioser Zitate. Während des Fluges werkelten wir dann erst einmal an dem Dino-Mosaik (Juli liebt Sticker - vor allem, wenn halbwegs vorgegeben ist, was wohin geklebt werden muss) und auch die Mini-Zaubertafel, das Mini-Spirograph und das Wimmelbuch waren ein großer Erfolg.


Letztendlich war der Flug natürlich viel schneller vorbei, als dass wir alle Sachen aus dem Rucksack überhaupt hätten auspacken können und wir hatten gar keine Zeit für Langeweile. Letztendlich hätte ich mir außerdem niemals Sorgen machen müssen, dass ich mit Juli im Flugzeug oder in Dublin überfordern sein könnte. Letztendlich haben wir den Rucksackinhalt auch fast ausschließlich im Flieger und auf Julis Wunsch morgens im Bett benutzt. Letztendlich war Juli fast automatisch mit all unseren Aktivitäten und den vielen Eindrücken bestens beschäftigt und unterhalten. Es lag natürlich nicht nur daran, dass wir stets einen Beschäftigungsrucksack dabei hatten, sondern viel mehr daran, dass anscheinend alle Planeten und ihre dazugehörigen Monde im genau richtigen Winkel zueinander standen, denn unser Urlaub in Dublin hätte nicht perfekter sein können. Wirklich nicht. Wir hatten eine so, so, so wunderbare Zeit mit meiner Gastfamilie, am Strand, im Zoo, in der Stadt, in den Restaurants, beim Shoppen (!) und auf sämtlichen Spielplätzen. Juli hätte wirklich nicht lieber und fröhlicher sein können und ich kann ehrlich sagen, dass ich nicht annäherend so viel Spaß gehabt hätte, wenn ich alleine ohne meinen kleinen Schnuffiwuffi verreist wäre. Natürlich war es hilfreich, dass Juli und ich ohnehin ein perfekt eingespieltes Team sind, dass ich Dublin wie meine Westentasche kenne und dass ich immer alle benutzbaren öffentlichen Klos im Kopf hatte, aber dennoch war es natürlich absolut nicht selbstverständlich, dass einfach alles so unproblematisch verlaufen würde. Ich habe immer versucht Juli zu erklären, was wir vorhatten und was als nächstes passieren würde, gleichzeitig aber auch seine Meinung und Wünsche zu berücksichtigen und all unsere Pläne waren dabei so flexibel wie möglich, um spontan unsere Bedürfnisse aufeinander abzustimmen - ich glaube, das war ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg unseres Städtetrips. Es ist einfach super, wie viel er mittlerweile tatsächlich begreift und auch selbst ausdrücken kann.


Eine kleine Anekdote: Resi und ich haben, wann immer wir mal zusammen shoppen waren und weinende Kinder hörten, gesagt, dass wir niiiiiemals unsere Kinder zwingen würden mit uns in Klamottenläden zu gehen und letztes Jahr hatten wir das auch gar nicht erst versucht. Dieses Jahr versteht Juli alles aber schon viel besser und ich wollte einfach mal ausprobieren, ob wir nicht auch kurz gemeinsam in meine Lieblingsgeschäfte schauen könnten oder eben nicht - beides wäre natürlich okay gewesen, denn das Ziel unseres Urlaubs sollte es einfach sein, eine schöne gemeinsame Zeit zu haben. Wie immer hat Juli mich überrascht und er hatte tatsächlich einfach total viel Spaß mit mir zu stöbern und zu entscheiden, was wir für ihn und seinen Bruder kaufen könnten. Natürlich waren wir nicht stundenlang bummeln, aber wir verbrachten einen halben Tag zusammen in der Stadt und Juli scheint wirklich der einzige Dreijährige zu sein, der gerne fröhlich und zufrieden durch Geschäfte stöbert. Nachdem wir schon einige Kleinigkeiten ausgesucht hatten und zwischendurch in Ruhe Mittag gegessen hatten, fragte ich Juli, ob wir noch schnell in den Disney Store in der Grafton St gehen sollten, bevor wir den Spielplatz ansteuern wollten, da er immerhin auch noch eigenes "Taschengeld" zur Verfügung hatte - ich dachte, dass er dies in sinnvolles Spielzeug (= nicht noch mehr Kuscheltiere) investieren könnte. Juli will eigentlich wirklich selten irgendwas haben und kann auch erstaunlich gut erkennen, was er braucht und was nicht ("Oh, ein Feuerwehrauto! Ich habe auch eines zuhause!"), aber.... dann entdeckte er plötzlich Simba und Nala auf Augenhöhe, schnappte sich die beiden Kuscheltiere, drückte sie fest an seine Brust und im gleichen Moment ertönte dann auf einmal auch noch "Can you feel the love tonight" (kein Witz). Wir haben sie mitgenommen. Das Strahlen auf Julis Gesicht war unbezahlbar. Bevor wir an dem Tag dann tatsächlich zum Spielplatz gingen, entdeckte ich im Vorbeigehen noch ein richtig schönes Kleid im Schaufenster, das sich super für die baldige Sommerhochzeits meines Onkels eignen würde und ich fragte Juli, ob wir noch schnell in den Laden könnten, damit ich das Kleid anprobieren könnte. Juli hatte keinen Einwand und fand es tatsächlich ziemlich aufregend sich mit mir in die Umkleide zu quetschen und zu kommentieren, was ich alles ausziehen müsste, bevor ich das Kleid anprobieren konnte. Als ich das Kleid dann endlich anhatte, fragte ich Juli, ob er es mochte und... er starrte mich mit großen Augen an und rief begeistert: "Jule! Du siehst aus wie die Elsa!!" - wenn das nicht das größte Kompliment war, das ich hätte bekommen können, weiß ich auch nicht.


Ach, es war einfach so wunderbar. Juli ist so ein tolles Kerlchen und ich liebe es so sehr, seine Patentante zu sein. Es ist etwas ganz Besonderes, mitzuerleben, wie so ein kleiner Knirps einen Ort für sich entdeckt, den man selbst so sehr liebt und die Welt gleichzeitig auch durch seine Augen noch einmal ganz anders zu begreifen. Er hat sich richtig schnell eingelebt und wirklich richtig zuhause gefühlt, er hat sich auch prima trotz der fremden Sprache mit meinen Gastkindern verstanden und dabei auch immer mehr Englisch aufgeschnappt (so konnte er ratzfatz perfekt "Thank you!" sagen und somit erst recht alle um den Finger wickeln!). Als wir im Flieger Richtung Deutschland saßen und ich Juli nach dem Start sagte, dass er aus dem Fenster gucken und sich von Irland verabschieden solle, weinte er plötzlich dicke Krokodilstränen und schluchzte, dass er in Irland bleiben möchte - das konnte ich natürlich nur zu gut verstehen. Resi kann so stolz sein, dass sie einen so supertollen Sohn hat und gleichzeitig bin ich ebenso stolz und glücklich, dass Juli und ich einen so schönen Urlaub hatten - sicherlich nur der erste von vielen weiteren! Einige der Highlights unserer Zeit in Dublin habe ich übrigens in diesem kleinen Reisevideo zusammengebastelt:


Irland 2016 from Kuddelmuddel on Vimeo | Musik: Podington Bear - Good Times

Ach, ich möchte euch übrigens auch nicht verschweigen, dass sich Julis Beschäftigungsrucksack auch perfekt dazu eignete, Juli und meine Gastkinder (mittlerweile 7 und 9 Jahre alt) für zumindest eine Halbzeit des Irland-Frankreich-Achtelfinales der EM zu unterhalten ;-).

Kommentare:

  1. Klingt als hättet ihr ein unvergesslich Zeit miteinander gehabt!Es ist unglaublich schön wie ihr beide euch versteht!
    Mit deiner Planung und vor allem mit dem Rucksack wäre bestimmt niemals Langeweile aufgekommen! Du hast immer so tolle kreative Ideen :)

    PS: Ich denke, ein schöneres Kompliment hätte Juli dir und dem Kleid wirklich nicht machen können :)

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    1. Oh, dankeschön! :). Ich wünschte, mir würden auch so grandiose Dinge einfallen, um mich selbst im Zug oder Bus sinnvoll zu beschäftigen (vor allem, wenn ich kein Buch dabei habe :D)

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