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Mittwoch, 6. Januar 2016

Mein Leben am Ende der Spielstraße - 2015 vs. 2016

Wer mich kennt, mich vielleicht schon das eine oder andere Mal besucht hat, oder auch häufiger Gast bei uns ist, weiß, dass wir in einer wirklich wunderschönen und großzügig geschnittenen drei-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses wohnen. Wir sind stolze Pächter einer direkt an das Grundstück angrenzenden großen Wiese, auf der mittlerweile unser eigenes Klettergerüst mit Rutsche, ein großes Trampolin und eine selbst aufgebaute Gartenhütte stehen. Unser Zuhause befindet sich in einer ruhigen hessischen Kleinstadt in einem noch viel ruhigeren Wohngebiet. Wir schauen von unseren großen Terrassentüren im Wohnzimmer, sowie aus dem Küchenfenster auf eine riesengroße Pferdekoppel und den dahinter liegenden Bauernhof. Das Haus, in dem wir wohnen, steht an einem Wendekreis am Ende einer Spielstraße. Es ist perfekt.

Wer mich kennt, weiß auch, dass das Jahr 2015 mir nicht nur Freude, sondern vor allem viele viele Sorgen bereitet hat. Bis Februar 2015 habe ich einen Großteil meines Lebens mit dem Meistern des fünften Semesters an der Uni verbracht. Direkt im Anschluss verbrachte ich beinahe die kompletten Semesterferien mit meinem ersten Schulpraktikum, das mir zwar unheimlich viel Spaß gemacht, mich aber auch sehr geschlaucht hat. Die Vormittage in der Schule sitzend, musste ich häufig nachmittags und abends an den Schreibtisch, um Unterricht vorzubereiten. Zeit mit Juli hatte ich nur wenig. Zusätzlich habe ich natürlich durchgängig jeden Monat noch knappe 50 Stunden in der Kneipe verbracht - arbeitend versteht sich. Ohne Zeit zum Durchatmen startete ich Anfang April ins Sommersemester, mein sechstes Semester, mein viertes mit kleinem Kind. Ich kann sagen, dass es das schlimmste Semester war, das ich bislang erlebt habe. Nach wie vor kann ich die Tage, die ich innerhalb der vier Monate nicht in der Uni, am Schreibtisch oder an der Arbeit verbracht habe, an zwei Händen abzählen. Zeit mit Juli hatte ich noch weniger. Zeit mit Philipp (allein) sogut wie keine. Ich habe viel geweint, ich war unausstehlich, ich hätte so gern aufgegeben. Ich war kurz davor aufzugeben. Gott sei Dank hatte ich Juli, der mich wenigstens für kurze Zeitfenster auf den Boden zurückholen konnte. Und mit Philipp den besten und geduldigsten Mann an meiner Seite. Und fabelhafte Freunde (Jule, Elena, Tine, Tim... dieses <3 ist für euch). Sie haben mich so unglaublich gut unterstützt, dass ich gerade, während ich tippe, einen riesigen Kloß im Hals bekomme. Sie haben mich daran erinnert, dass ich noch nie aufgegeben habe und das stimmt tatsächlich. Ich gebe nicht auf. Auch diesmal habe ich nicht aufgegeben und plötzlich war es Mitte Juli. Das Semester war vorbei und ich konnte für die Zeit eines wundervollen (und verregneten) Urlaubes an der Nordsee wieder durchatmen. Die Meerluft hat nicht nur meine Akkus neu aufgeladen, sondern auch meine Gedanken wieder sortiert. Ich war mir jetzt sicher: SO konnte es nicht weitergehen. Mein Leben auf der Überholspur hatte mich selbst überholt, es war schneller als mein Ehrgeiz, schneller als meine Kraft und schneller als meine Ausdauer. Es war so schnell, dass es Lachen und Glück durch Verzweiflung und Trostlosigkeit ersetzt hatte. Nach dem Urlaub quälte ich mich noch durch drei Hausarbeiten, aber ich hatte auch ein neues Ziel: auf die Bremse treten, mal anhalten, wenn man eine Pause braucht, die Fahrt genießen anstatt Bäume und Felder vorbeirauschen zu lassen.



In meinem siebten Semester, das im Oktober startete, belege ich nur vier Kurse, nebenbei mache ich das semesterbegleitende zweite Schulpraktikum, das jedoch bei Weitem nicht so aufwändig ist, wie das erste. Es war mir wichtig, Letzteres bis Februar zu schaffen, denn für Philipp und mich hatte sich noch eine ganz neue Zukunftsperspektive geöffnet: dreieinhalb Jahre schien uns der für uns perfekte Abstand unter Geschwistern zu sein. Wir haben lange darüber gesprochen, viel abgewägt und schließlich beschlossen, dass der Zeitpunkt für ein zweites Baby gekommen war. 

Heute bin ich in der 22. Woche schwanger. Es geht mir wunderbar. Ich bin glücklich. Ich verbringe viel Zeit mit Juli und mit Philipp. Endlich können wir wieder Dinge als Familie unternehmen. Auch meine Freunde sehe ich wieder regelmäßig. Ich gehe auch zur Uni, ich gehe zur Schule und ich gehe arbeiten. Aber ich schaffe das alles ohne das ständige Gefühl zu haben, jeden Moment zusammenzubrechen. Wenn ich nicht mehr kann, mache ich eine Pause. Das Semester endet für mich am 10. Februar, also in vier Wochen. Diese Wochen werden nochmal härter, da Prüfungen anstehen, aber ich habe keine Angst. Ich weiß jetzt, dass man nicht mehr leisten kann, wenn man unermüdlich aufs Gaspedal tritt. Es ist die Bremse, die mindestens genauso wichtig ist. In diesem Jahr werde ich vor allem eines sein: Mama. Und an zweiter Stelle eine gute Freundin - zum einen für Philipp, das versteht sich von selbst, aber zum anderen auch für meine Freunde, insbesondere Jule und Elena, die im Herbst ihre Examensprüfungen machen werden. Ich bin so stolz auf euch, Mädels.

2015, du hast mich viel gelehrt - du warst eine wahrhafte Autobahn. Nimm es mir nicht übel, aber mein 2016 wird wohl mehr einer Spielstraße gleichen. Und das ist gut so.

Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für 2016. Mir gings 2015 ehrlich gesagt irgendwie ähnlich, aber aus anderen Gründen und wünsche mir für 2016 auch mehr Zeit, Freude und Entspannung.

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  2. Ich muss ehrlich sagen, das hast du sehr schön gesagt und ich beglückwünsche euch zum zweiten Kind :)
    Genießt das neue Jahr in vollen Zügen, ich hoffe, es läuft alles so, wie ihr es euch wünscht :)
    Liebe Grüße
    Elsa

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  3. Sehr schön Resi :) toller Beitrag! bist ne starke Frau.
    Hugs, lulu

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