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Montag, 7. Dezember 2015

DIY: Körnerkissen selbst nähen

Dass Nähen einmal zu meinen Hobbies (vielleicht sogar schon fast zu meinen Leidenschaften) zählt, hätte ich ungefähr für genauso unmöglich gehalten, wie dass ich freiwillig einem Mathe-Club oder einem Tanzverein beitrete. Nähen war einfach nie so mein Ding. Ich besitze seit einigen Jahren eine 15€-Mini-Nähmaschine, die ich mir gekauft habe, um meinen Duschvorhang umzunähen - das hat auch so halbwegs gut funktioniert, aber für etwas anderes als einfachste Umnäharbeiten ist die kleine Maschine nicht geeignet. Vor einiger Zeit erzählte mein Vater stolz, dass unser Nachbar eine fast nagelneue Nähmaschine zum Sperrmüll stellen wollte, weil diese seiner Frau "zu modern" gewesen sei und fragte mich, ob ich die Nähmaschine haben wollen würde. Joa, wollte ich - könnte man ja irgendwann mal gebrauchen. Seitdem stand die Nähmaschine im Keller meiner Eltern und geriet langsam in Vergessenheit. Das änderte sich schlagartig, als Lulu mich vor ein paar Monaten fragte, ob ich sie spontan auf den Stoffmarkt Holland in Frankfurt begleiten möchte. 

Am Abend vor dem Stoffmarkt-Besuch googlete ich ein wenig und suchte nach Nähprojekten, die ich theoretisch ausprobieren könnte. Gleichzeitig notierte ich mir die Stoffmaße, die ich bräuchte, um Juli eine Mütze, ein Halstuch und eine Hose zu nähen (nur für den Fall). Lange Rede, kurzer Sinn: Der Stoffmarkt hat mich total überwältigt, es gab so viele wunderschöne Stoffe, ich kaufte drei Stoffe und das allernötigste Nähzubehör (= Garn und Klettverschluss). Einige Tage später überreichte mir der Postbote ein riesiges Paket mit der Nähmaschine. Innerhalb weniger Tage Stunden brachte ich mir mithilfe von YouTube-Videos das Nähen bei. So richtiges Nähen. Ich war besessen. In kürzester Zeit nähte ich Juli ein Wende-Halstuch, eine Wende-Mütze und eine Fuchs-Hose. Natürlich waren die Sachen nicht perfekt und die Nähte etwas krumm und schief, aber ich hatte Spaß. Seitdem übe ich immer mehr und habe meine Nähmaschine auch immer besser im Griff. Natürlich wollte ich dieses Jahr deshalb auch ein paar selbstgenähte Geschenke zu Weihnachten verschenken und entschied mich dafür ein paar Körnerkissen für meine Lieben zu nähen. Möglicherweise hätte ich erst Körnerkissen nähen sollen, bevor ich Wendemützen und Hosen aus Jerseystoff genäht habe - das hätte mir den Anfang definitiv einfacher gemacht, denn so ein einfaches Kissen eigenet sich perfekt für Nähanfänger! 


Falls ihr auch komplette Nähanfänger seid, werde ich euch nun hier kein Nähmaschinen-1x1 präsentieren - die wichtigsten Basics können euch richtige Profis viel besser erklären (mir hat z.B. dieser Blog richtig gut geholfen). Ich möchte euch nur zeigen, wie ihr im Handumdrehen ein einfaches Körnerkissen mit drei Kammern nähen könnt.


Ihr braucht (neben der Grundausrüstung):
Baumwollstoff in Wunschgröße (in meinem Fall 76 x 20 cm)
Körner (in meinem Fall 600 g Roggen, gibt es z.B. bei dm)
ein Schnittmuster

Wenn ihr Stoffreste übrig habt, die ihr für euer Körnerkissen verwendet möchtet, ist das Nähprojekt besonders günstig, 1000 g Bio-Roggenkörner kosten bei dm nur 1,25€ und die Menge reicht für 1 1/2 Körnerkissen in meiner Größe. Der Kreisschneider, den ihr auf dem Foto seht, hat meine Nähversuche übrigens revolutioniert. Bis vor kurzem habe ich alle Schnittmuster feinsäuberlich mit Schneiderkreide auf die Stoffe übertragen, die Stoffe abgesteckt und vorsichtig mit einer Stoffschere ausgeschnitten. Das dauerte manchmal schon fast länger als das eigentliche Nähen. Neulich sah ich dann in einem Näh-Tutorial-Video, wie eine Bloggerin einfach ihr Schnittmuster auf den Stoff legte, einen solchen Kreisschneider einmal um die Papierschablone führte und anschließend den fertigen Zuschnitt in die Kamera hielt. Innerhalb weniger Sekunden. Das Ding musster ich haben! Ich konnte/kann gar nicht einschätzen, was man als Nähanfängerin wirklich braucht und war deshalb auf dem Stoffmarkt auch noch total überfordert, aber dieser Kreisschneider* (samt Schneideunterlage) ist der Wahnsinn! So, widmen wir uns nun dem Schnittmuster meines Körnerkissens.

 *Vermutlich haben alle Hobbynäherinnen, die diesen Eintrag lesen, ein ganzes Sortiment von Kreisschneidern in ihrer Nähkiste und lachen mich gerade aus, aber für mich war die Entdeckung dieses Werkzeugs fast so bedeutsam wie die Mondlandung!


Natürlich könnt ihr euer Körnerkissen in jeder beliebigen Größe und Form anfertigen, aber ich zeige euch einfach mal mein Schnittmuster. Mein Körnerkissen ist insgesamt 36x18 cm groß. An den langen Seiten habe ich jeweils 1 cm Nahtzugabe hinzugefügt und an der kurzen Seite 2 cm. Jede "Kammer" ist 12 cm groß, bei der rechten kommt nur noch die genannte Nahtzugabe hinzu. Die Kammern werden natürlich nicht eingeschnitten, die habe ich nur zur Veranschaulichung eingezeichnet. Zuerst wird der Stoff um die Schablone zugeschnitten und dann werden die langen Seiten rechts auf rechts jeweils mit einem einfachen Geradstich zusammengenäht, sodass ihr dann quasi einen Schlauch habt, der an der einen Seite geöffnet ist.


Bei meinem ersten Versuch habe ich erst je eine Kammer mit Körnern gefüllt und dann versucht diese zuzunähen, was leider gar nicht gut geklappt hat. Von daher empfehle ich lieber folgende Vorgehensweise: Erst einmal müsst ihr euer Kissen auf die rechte (also die schöne) Seite umkrempeln und die Stellen markieren, an denen ihr später die Kammern einnäht. Dann näht ihr die Naht der untersten Kammer mit einem normalen Geradstrich von oben nach unten und lasst dabei aber die letzten 3-4 cm offen. Nun füllt ihr die gewünschte Menge Körner (evtl. mit einem Trichter) in die Kammer - ich habe in jede Kammer 200 g Körner gefüllt und das ist bei der Größte optimal. Wenn ihr die Körner eingefüllt habt, näht ihr das letzte Stückchen der Naht zu und verfahrt mit der zweiten Kammer genauso. Bevor ich die Naht der letzten Kammer an der offenen Seite genäht habe, habe ich die Stoffkanten etwa einen Zentimeter eingeschlagen und kurz über die Kanten gebügelt, damit die eingeschlagenen Stoffkanten auch gut unter der Nähmaschine liegen bleiben. Dann habe ich die Naht auch bis auf 3-4 zugenäht, die Körner eingefüllt, die Naht fertig genäht und den Faden gut vernäht (einige Stiche vor und zurück).


Um das Körnerkissen zu erwärmen, könnt ihr es bei 600 Watt für maximal 3 Minuten in die Mikrowelle legen, allerdings auf gar keinen Fall länger, weil das Kissen ansonsten tatsächlich zu heiß wird, ihr euch verbrennen könntet und das Kissen sogar brennen könnte. Wenn ihr ein Körnerkissen verschenkt, solltet ihr diesen Hinweis unbedingt weitergeben.


Uff, ich hoffe ihr konntet meiner ersten Nähanleitung folgen. Falls irgendwas unklar ist, fragt einfach nach! :-)

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