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Donnerstag, 23. Juli 2015

10.000 Schritte am Tag / Go, Jule, go!

Heute möchte ich gerne ein bisschen über's Laufen und... äh... Fitness reden. Dazu sollte ich vielleicht vorweg sagen, dass Sport und ich nicht wirklich kompatibel sind. Ich bewundere die Mädels, die mit einem Lächeln im Gesicht jeden zweiten Tag ins Fitnessstudio tänzeln oder sich zuhause fröhlich mit den verschiedensten Workouts auspowern. Ich weiß, dass es heißt, man würde sich daran gewöhnen und wenn es erst einmal soweit wäre, würde man es liiieben, aber das tue ich nicht. Resi und ich hatten uns vor einiger Zeit extra mal bei einem Fitnesskurs (Bauch-Beine-Po, yay!) angemeldet, weil wir dachten, dass uns die Gemeinschaft und der Gruppenzwang motivieren würden, aber... nein. Sowas ist einfach nicht mein Ding. Ich kann keine Liegestützen und ich kann keinen Handstand, aber ich kann laufen. Als ich in Irland gelebt habe, haben meine Gasteltern für ihren ersten Marathon trainiert und ihr Ehrgeiz hat mich motiviert auch mit dem Laufen anzufangen. Zuerst habe ich mich dabei an ein richtiges Trainingsprogramm gehalten, mit dem man Schritt für Schritt fit gemacht wird, um 5 km am Stück zu laufen und das war das erste Mal, dass ich wirklich Spaß an einer wirklich sportlichen Aktivität hatte - genügend Spaß, um gemeinsam mit Resi erfolgreich an einem Strandlauf und einem Mini-Marathon teilzunehmen. Die Dubliner Bucht direkt vor der Haustür war dabei natürlich die perfekte Grundlage für regelmäßige Laufeinheiten, aber als ich dann erst einmal wieder zurück in Deutschland war und der nächste Strand mehrere hundert Kilometer entfernt war, ist meine Motivation schnell verflogen.


Seitdem sind vier Jahre vergangen, in denen ich immer mal wieder kleinere Schübe hatte, wo ich mir fest vornahm, "jetzt aber wirklich" wieder regelmäßig laufen zu gehen. Ich begann wieder mit dem 5km-Trainingsprogramm, legte feste Tage als meine Lauftage fest, setzte mich unter Druck und meist hielt ich nur für ein paar Wochen durch, auf die dann aber wieder mehrere Abschnitte folgten, in denen sich meine Laufschuhe in Staubfänger verwandelten. Vor ein paar Monaten berichtete Resi mir dann stolz, dass sie einfach so und ohne jegliche Vorbereitung mal wieder 5 km gelaufen sei. Ich glaube, das war für mich einer der entscheidenden Knackpunkte - angespornt durch Resis Erfolg, nahm ich mir direkt vor auch zu versuchen 5 km am Stück zu laufen. Laufschuhe an und los! Ich war zwar nicht besonders schnell, aber schaffte es ebenfalls 5 km ohne Pause durchzulaufen und dabei nicht zu kollabieren. Yay! Ich muss dazu sagen, dass wir mit dem 5km-Trainingsprogramm hin und wieder schon Probleme hatten, den Instruktionen zu folgen, wenn wir 5 Minuten am Stück laufen sollten und es ist uns ein Rätsel, warum wir plötzlich ohne aufbauendes Training in der Lage waren, einfach so 40 Minuten am Stück durchzulaufen, aber... es hat einfach geklappt und wir haben uns danach beide super (und super-erledigt) gefühlt. Ich möchte Laufanfängern an dieser Stelle auf gar keinen Fall empfehlen, einfach so drauf los zu rennen, weil das für den Körper natürlich auch nicht richtig ist. Wir hatten in den folgenden Tagen den Muskelkater des Todes (mindestens!). Nachdem ich ab diesem Tag aber wieder öfter laufen ging - meist immer 5 km und immer ein bisschen schneller -, hatte ich schnell gar keinen Muskelkater mehr, sobald sich meine Beine erst einmal an das regelmäßige Laufen gewöhnt hatten.

Über mehrere Wochen versuchte ich verbissen am Ball zu bleiben, aber spätestens als es draußen richtig warm wurde, wurde es für mich schwieriger wirklich dreimal in der Woche zu laufen. Ich möchte keine Ausreden erfinden, aber mittlerweile kenne ich meinen Körper recht gut und weiß, was ich nicht kann: Ich kann nicht bei zu warmen Temperaturen oder bei zu schwüler Witterung laufen. Ich kann nicht vor dem Frühstück laufen. Ich kann nicht laufen, wenn die letzte Mahlzeit weniger als zwei Stunden zurückliegt. Ich kann aber auch nicht laufen, wenn ich zu hungrig bin. Davon abgesehen, dass mir bei Verstoß gegen diese "Regeln" ziemlich übel werden würde, würde mein Kreislauf eine solche Aktion nicht mitmachen. Das habe ich schon oft genug getestet und musste mich dann auch schon oftmals an den Wegesrand setzen/legen. Auf der anderen Seite bedeuten diese Einschränkungen, dass es im Uni-Arbeit-Freizeit-Alltag oft schwierig ist überhaupt einen optimalen Zeitpunkt zum Laufen (und anschließendem Duschen etc.) zu finden, ohne mich wieder zu sehr unter Druck zu setzen und den Spaß an der Sache zu verlieren. Lustigerweise war auch hierbei Resi diejenige, die mich unbewusst auf den (für mich) richtigen Weg brachte, als sie mir erzählte, dass sie sich einen Schrittzähler gekauft hat, um zu beobachten, wie viele Schritte sie im Alltag und bei der Arbeit zurücklegen würde und ob sie täglich die "magischen" 10.000 Schritte zurücklegte.


Ich kann nicht jeden Tag laufen, aber ich kann jeden Tag gehen. Schnell fand ich in den täglichen 10.000 Schritten eine neue Herausforderung, die ich bewältigen wollte und bestellte mir ebenfalls einen Schrittzähler. Anfangs konnte ich gar nicht einschätzen, wie viele Schritte ich an einem normalen Tag zurücklegen würde, aber schnell habe ich herausgefunden, dass 10.000 Schritte bei meiner Schrittlänge etwa 7 km entsprechen. Einer der Punkte auf meiner Summer Bucket List ist es, jeden Tag tatsächlich die 10.000 Schritte zu gehen oder zu laufen.... und, wisst ihr was? Seit Anfang Juni, seit ich eine Strichliste über die Anzahl meiner Schritte führe, klappt es. "Klappen" ist vermutlich sogar untertrieben - ich liebe diese Aufgabe. Anfangs habe ich mich noch etwas schwer getan, wenn ich nach einem langen Tag in der Uni oder an der Arbeit erst 6.000 Schritte hatte, mich abends für einen Spaziergang oder einen Lauf zu motivieren, aber nun freue ich mich richtig darauf. Man sagt, dass es etwa drei Wochen dauert bis eine Aufgabe/Beschäftigung zur Gewohnheit wird und das trifft hierbei auf jeden Fall zu. Ich verspüre täglich einen richtigen Bewegungsdrang, habe einfach Lust "Schritte zu sammeln" und freue mich, wenn das Männchen auf dem Display des Schrittzählers bei erreichter Schrittzahl jubelt.


Ich möchte nicht sagen, dass diese tägliche Aufgabe für jeden geeignet ist, aber ich habe mit den 10.000 Schritten genau mein Ding gefunden. Ich habe über Jahre erkannt, dass es nicht klappt, wenn ich mir vornehme "wieder regelmäßig laufen zu gehen" oder mir sogar feste Tage dafür vornehme und das letztendlich doch nur aufschiebe - das führt bei mir zur Frustration. Was für mich klappt, ist ein konkretes Ziel, das ich messen (und ablesen) kann. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und wenn ich mir vornehme, täglich 10.000 Schritte zu gehen, dann ziehe ich das durch. Aufgeben ist nicht mein Ding und aufschieben lässt sich eine tägliche Aufgabe auch nicht richtig. Obwohl ich von Beginn dieser Aktion an motiviert genug war, um spätestens abends die letzten Schritte zu sammeln, indem ich gemütlich durch die Stadt spaziere oder tatsächlich laufen gehe, habe ich meine Tagesaufgabe mittlerweile auch noch mit einer meiner größten Leidenschaften verbunden: Bücher.


Vor einigen Wochen kam ich auf die Idee, anstatt meiner liebsten Playlist einfach mal ein Hörbuch zu hören und die Regel hierbei ist es, dass ich das Hörbuch immer nur (weiter)hören darf, wenn ich gehe oder laufe. Durch diese neue Idee ist meine Motivation nahezu explodiert und ich bin quasi nicht mehr zu bremsen. Ich freue mich mehr auf meine Spaziergänge als je zuvor und wenn ich weiß, dass ich an dem Tag/Abend über eigentlich keine Zeit haben werde, um durch meine Lieblingsfelder zu wandern, stehe ich morgens auch schon mal früher auf, um Schritte zu sammeln und zu erfahren, wie mein Hörbuch weitergeht. No Joke. All die Hörbücher, die ich nun hören möchte! All die Spaziergänge, die ich mit Harry Potter verbringen kann! Übrigens ist es nicht so, dass ich mich nach genau 10.000 Schritten auf's Sofa plumpsen lasse und mich für den Rest des Tages nicht mehr bewege. Wenn ich unterwegs bin, gehe/laufe ich einfach so lange, wie ich mein Hörbuch hören möchte und wenn ich die Schritte schon vollständig unbewusst im Alltag erledigt habe, gehe ich abends trotzdem oft gerne nochmal los, weil es mir mittlerweile einfach Spaß macht und ich nur zu gerne in der Abendsonne und mit einer spannenden Geschichte in den Ohren durch meine Lieblingsfelder spaziere und dabei die hier beheimateten Störche in ihren riesigen Nestern beobachte. Mein bisheriger Rekord liegt übrigens bei 23.926 Schritten, die ich unbewusst an einem Montag gesammelt habe, an dem ich einfach erst viel unterwegs war und abends mit Resi und Juli die Störche hier in der Gegend besucht habe.

Ich bin flexibel und kann jeden Tag entscheiden, ob ich laufen oder einfach nur gehen möchte - ohne schlechtes Gewissen oder Frustration. Die 10.000 Schritte sind nun fester Bestandteil meines Alltags und ich spüre richtig, wie unausgelastet ich bin, wenn ich vor meiner Abendrunde erst 3.000 Schritte zurückgelegt habe. Auf der anderen Seite tut mir die ausgibige Bewegung richtig, richtig gut. Natürlich kann man einen 7-km-Spaziergang auch nicht mit einem Power-Workout vergleichen, aber ich fühle mich fitter, ich schlafe besser und ich habe einfach ein richtig gutes Gefühl, täglich etwas für mich und meine Gesundheit zu tun. Mit den 10.000 Schritten habe ich definitiv (endlich!) mein Ding gefunden.


Kommentare:

  1. oh das klingt richtig toll, ich freu mich für dich

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  2. Schön geschrieben und es freut mich, dass du den für dich passenden Weg gefunden hast. :) Ich hab früher auch schonmal über einen Schrittzähler nachgedacht, weil ich wissen wollte wie viel ich am Tag so laufe, vllt werde ich mir doch endlich mal einen anschaffen :D

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