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Freitag, 12. Juni 2015

Ein kleiner Wolf im Schafspelz


6.52 Uhr - sanftes Gebrabbel aus dem Babyphone. Das Kind ist wach, singt. Guter Tag. Ich halte meine Augen noch einen kurzen Moment geschlossen und stelle mich schlafend. Wenn ich Glück habe, steht der Papa auf. Tatsächlich. Noch drei Minuten für mich haben, ein bisschen dösen... fabelhaft.

6.54 Uhr - der Papa öffnet die Tür des Kinderzimmers. "Guten Morgen, kleiner Mann!", sagt er freundlich und klingt dabei noch ein wenig verschlafen. Plötzlich ist es vorbei mit der Ruhe. "DIE MAMA SOLL KOMMEEEEEEEEEEN", kreischt der Zweijährige und ist völlig außer sich. Ich kneife die Augen zusammen. Doch kein guter Tag. "Komm, wir gehen zur Mama und wecken sie", versucht der Papa den Sohn zu beruhigen. Aber immer und immer wieder kreischt dieser ohne überhaupt zuzuhören "DIE MAMAAAAAAA SOLL KOMMEEEEEEEN.... DIE MAMA RAUSHOLEN AUS DEM BEEEEEEEETT!!!!" Noch immer hoffe ich, dass er sich gleich wieder beruhigt.

6.59 Uhr - ich gebe auf. Plötzlich fühle ich mich als wäre es mitten in der Nacht. Ich bin auf einen Schlag wieder todmüde. Habe Kopfschmerzen. Möchte mich unter der Bettdecke verkriechen. Oder noch besser - ich hätte gern so einen großen alten Wandschrank, der mich in eine andere Welt bringt. Wie in den Narnia Büchern. Ist natürlich Quatsch, also stehe ich missmutig auf. Nebenbei diskutiert der Papa immernoch mit dem Sohn. Der schreit zurück.

7.00 Uhr - ich betrete das Kinderzimmer. Der Papa verlässt es. Genervt zuckt er mit den Schultern. Das Kind ist ruhig, hat ja schließlich seinen Willen durchgesetzt. Ich zähle im Kopf bis zehn und beruhige mich. Fangen wir den Tag nochmal von vorne an, denke ich, ganz von vorn und mit guter Laune.

7.03 Uhr - nachdem ich meinen Sohn auf den Arm genommen und begrüßt habe, stelle ich ihn auf seine Füße und ziehe anschließend die Rollläden nach oben. "ICH MACH DIE ROLLOS HOCH" kreischt es hinter mir schrill...

Jaja... vor der Trotzphase wurde ich schon so oft gewarnt. Ich hatte bis vor wenigen Tagen gehofft, mein Sohn würde sie einfach übergehen. Das gibt es. Habe ich gelesen. Diese Hoffnung ist nun jedoch in etwa so geplatzt wie ein Luftballon, der auf einem Kindergeburtstag in die Flamme der Geburtstagskerze geworfen wird. Ich muss einsehen: Juli steckt mittendrin. In eben dieser Phase, vor der es mir so gegraut hat. Unkontrollierte Wutausbrüche, Geschrei, lautstarke Befehle, die überdimensional gesteigerte Verwendung der Worte "ICH", "SELBER" und "NEIN", treten, schubsen, hauen... vermutlich könnte ich diese Liste noch eine ganze Weile fortsetzen. Immer wieder muss ich mir sagen, dass ich nichts dafür kann, dass ich nicht in meiner Erziehung versagt habe, dass es ganz normal ist. Aber genau das ist so schwer für mich. 
Gott sei Dank kann ich mich mit einer guten Freundin austauschen, deren Tochter im gleichen Alter ist... UND in der gleichen Phase steckt. Sie werden einfach zu kleinen Teufeln, dabei sehen sie doch so niedlich aus, diese halbstarken kleinen Wesen mit den dünnen Beinchen und den niedlichen Stimmchen (wenn sie mal gerade nich kreischen). Sie sind kleine Wölfe im Schafspelz. Und auch diese Phase wird eines Tages vorbei sein. Oder von einer neuen Phase abgelöst. Ich habe mal etwas gehört, das klang in etwa so: "Es wird nicht besser, sondern anders."


 

Kommentare:

  1. ehrlich gesagt, ist es schön zu lesen, dass solche probleme auch normal sind. dass nicht alle menschen immer in perfekter harmonie und liebe leben, dass auch eine mutter mal harte zeiten hat. ich habe zZ das gefühl, dass alles, was nicht diesem ideal entspricht versagen ist. daher ist es gut für mich zu sehen, dass eben andere menschen ähnliche sachen erleben und dass es eben kein versagen ist, das es alltag ist, dass wir nicht in einer rosa roten perfekten welt ohne streit, stress und arbeit leben.

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  2. Liebe Vanessa,
    ich stimme dir völlig zu. Dabei glaube ich, dass es völlig normal ist, dass Mutter sein nicht jeden Tag rosarot und toll ist. Ich glaube nicht, dass es auf dieser Welt auch nur eine Mutter gibt, die sich an manchmal Tagen nicht wünscht, einfach mal wieder für sich zu sein... Doch an solchen Tagen sind wir in den Augen der Gesellschaft Versagerinnen! Danke für deinen Kommentar! Resi

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  3. Meine beste Resi...JAAAAA...so ist es...
    Aber- tzzzz- das bisschen packen wir auch. Lassen uns ja zum Glück von den kleinen wundervollen Geufeln nicht den Spaß verderben!
    :-*
    Keep smiling....

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  4. Hahaha... nett, wie Du das schreibst.
    By the way: Mein Sohn ist FÜNF und immer noch ein Jekyll & Hyde-Kind. Von einer Sekunde auf die nächste mutiert er wegen einer Nichtigkeit zum Wut-Zwerg. Da hilft nur: RUHIG bleiben - geht vorbei...

    Zum Glück ist die Große ausgeglichener, aber das kommt dann sicher spätestens in der Pubertät (ich freu mich schon wie Bolle drauf...)

    In diesem Sinne - halte durch. In der Ruhe liegt die Kraft. Könnte allerdings noch ein Weilchen dauern *ggg*

    Liebe Grüße
    Steffi

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