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Donnerstag, 11. September 2014

Nepal travelguide


Im Februar diesen Jahres haben drei meiner besten Kumpanen und ich unsere sieben Sachen gepackt und sind für 4 volle Wochen durch das atemberaubend fremdartige und bunte Nepal gereist. Ich hatte schon länger davon geträumt, in den südasiatischen Binnenstaat zu fliegen und nachdem wir gemeinsam ausgesprochen hatten, wie gerne wir zusammen eine Abenteuerreise erleben wollten, dauerte es nicht lange und unsere Entscheidung viel auf das an Tibet, China und Indien angrenzende Land am Himalaya. Immer, wenn ich vorher versucht hatte, mir ein Bild von diesem mir in meiner Vorstellung zauberhaft erscheinenden Ort zu machen, schwirrten Bilder von engen, verschneiten Bergkettenpfaden durch meinen Kopf, über die sich Entdecker und Abenteurer von einem winzigem, klapprigen Dorf zum nächsten wagten, um sich ein paar Tage später am Fuß des Berges im tiefsten Dschungel zwischen Wasserbüffeln und bunt gekleideten Frauen wieder zu finden. 
Wenn ich jetzt an die Wochen zurück denke, die ich in Nepal verbracht habe, dann fällt mir auf, wie sehr sich meine Vorstellungen von der Wirklichkeit entfernten und ihr doch gleichzeitig so ähnlich waren. 
Ich hoffe, mein dritter Reisebericht für Kuddelmuddel kann euch irgendwann einmal behilflich sein, wenn ihr weit reisen und etwas Atemberaubendes erleben wollt. Obwohl ich wieder einmal ohne jeglichen Reiseplan in den Flieger gestiegen bin, kann ich euch meine Route sehr ans Herz legen. Sie ist perfekt zugeschnitten für einen vier-wöchigen Aufenthalt, in dem ich versucht habe, so viele verschiedene Dinge wie möglich zu sehen. 


Unsere Reise fand ihren Anfang in der Hauptstadt des Landes. Kathmandu hat knapp eine Millionen Einwohner und ist somit flächenmäßig die größte Stadt Nepals. Unser fantastisches Hostel befand sich in einer Hinterstraße des Backpackerviertels, welches überlaufen ist an Läden, Touristenbüros, Rikshas, Taxen und Menschen. Ich glaube, ich habe mich langsam an all den Staub, den Lärm und die Gerüche gewöhnt, die auf einen einprasseln, sobald man in einer asiatischen Großstadt die Haustür hinter sich zuzieht. Es fiel uns schwer, in Kathmandu dem Wirrwarr zu entkommen, und doch haben wir es auch nicht mit aller Kraft versucht. Die Stadt hat ihren Charme, der einen den Atem nimmt, historische Gebäude zwischen Strommasten, buddhistische Klöster neben hinduistischen Tempeln und wütende Ladenbesitzer, an denen lachende Kinder vorbeirennen. 
Ich habe Kathmandu lieben gelernt. Am Ende unseres Trips konnte ich es nicht abwarten, wieder zurück zu kehren und noch einmal durch die chaotischen Straßen zu laufen. 
Niemand hier sollte es sich nehmen lassen, sich die riesige Stupa von Bodnath anzusehen, das buddhistische Zentrum der Stadt. Bei meinem Besuch wurde ich Zeuge von buddhistischen Ritualtänzen von Menschen in phantastischen Kostümen und dem Vortrag eines Mönches, der mich die Glaubensweise meiner eigenen Religion in Frage stellen ließ. Der Pashupatinath-Tempel hingegen bietet dem hinduistischem Glauben Platz und ist ein Ort für Gebete und Verbrennungszeremonien. Ich werde die Bilder der dort minütlich stattfindenden Verbrennungen wohl nie vergessen. 
Wir 4 hatten das große Glück, dass ein Tag nach unserer Anreise das sogenannte Maha Shivaratri stattfand. In Ehren der Göttin Shiva geht so ziemlich jeder Mensch feiernd auf die Straße, was alles noch voller und chaotischer, aber auch noch viel lustiger macht. Unser Hostel hatte eine Art Festival in den Bergen bei Kathmandu organisiert. Ein paar hundert Meter über dem Meeresspiegel konnten wir so unser Ankommen in diesem Land mit Musik, anderen Reisenden und Einheimischen feiern und sogar zum ersten Mal in der Ferne die gewaltigen Bergriesen erblicken, die den Horizont höher erschienen ließen als all das, was ich jemals vorher gesehen hatte.


Wie immer hatten wir von anderen netten Menschen in unserem Hostel den Tipp für eine gute Reiseroute bekommen, die uns als nächstes in den Chitwan-Nationalpark führte. Nachdem wir Kathmandu gründlich erkundet hatten, wollten wir alle ein bisschen mehr von der Natur Nepals kennen lernen und hatten schon bald einen nahezu perfekten Ort dazu gefunden. Aufgrund von Tigern, Krokodilen, Nashörnern, Bären und jeglichem anderen gefährlichen Monstertieren, die den Park bewohnen, ist der Zutritt nur mit einem ausgebildetem Führer erlaubt. Nachdem wir ein paar Touristenbüros abgeklappert hatten, in denen uns die wildesten Abenteuergeschichten erzählt wurden, in denen Krokodile auch gern mal den ein oder anderen Wanderer verdrückt hatten, fanden wir unseren Guide, der zum Glück zu wissen schien, was er tat und zudem auch supernett war. Wir konnten zwischen einer Jeep- und einer Wandertour wählen und entschieden uns für Letzteres, um den Tieren und der Natur so nah wie möglich kommen zu können. Unsere Route führte zwei Tage jeweils 9 Stunden abwechselnd über gut begehbare Wege und auch mal schleichend durchs Unterholz. Übernachten konnten wir in einem sehr simplen Dschungeldorf, in dem wir uns Abends zwischen Moskitos und leckeren Getränken von unserem Treffen mit einer Bärenfamilie erholen konnten, die ein paar Meter vor uns den Weg kreuzte, während uns 5 Meter weiter neugierige Krokodilaugen beobachteten - aber davon vielleicht ein andern mal. 
Ich mochte diesen Ort sehr, auch wenn ich am Ende der kleinen Safari sehr kaputt war und mich unglaublich doll auf einen Erholungstag freute, den wir in der wohl tollsten Unterkunft in ganz Nepal verbrachten, einem ECO village, dessen Besitzer Plastikflaschen und andere Gegenstände sammelt, die die Umgebung vermüllen, und sie sinnvoll zum Bau seiner Anlage verwendet (eine tolle Sache in einem Land mit einem nicht weitaus so gut organisiertem Müllsystems wie in Deutschland). Direkt hinter unserer Hütte floss ein Fluss entlang, indem öfters mal Elefanten baden gehen, die man dort auch reiten kann. Für diese tolle Dschungel- und Naturerfahrung würde ich Chitwan jedem Reisenden weiter entfehlen.


Pokhara ist eine ca. 200km von Kathmandu westlich liegende Stadt ziemlich genau im geografischen Mittelpunkt des Landes. Um einen See herumliegend und umgeben von Bergen, die bis über die 8000 Metergrenze ragen, ist sie ein Traum für Wanderer und Entdecker aus allen Teilen der Welt. Da sie ebenfalls als Startpunkt vieler beliebter Wanderrouten dient, ist sie ein beliebter Anlaufpunkt für viele Touristen. Hier eine bezahlbare Unterkunft zu finden stellte sich als etwas schwerer heraus, als bei den vorherigen Zwischenstops, irgendwann jedoch fanden wir ein kleines Hotel, was zwar nicht unendlich viel Charme, aber dafür warme Duschen hatte. 
Die Lakeside ist der bekannteste Teil der Stadt, da er, wie der Name schon sagt, direkt am wunderhübschen See liegt, auf dem man im Tretboot gerne mal einen sonnigen Nachmittag umherschippern kann, während man auf die gigantischen, schneebedeckten Berge schaut. Auch wir starteten hier zu einer Wandertour und als wir zurück kamen, nutzen wir die Stadt ein paar Tage zum uns erholen und die Seele baumeln lassen. Abends kann man hier zu - für Backpacker - erhöhten Preisen jede Menge Restaurants und Bars besuchen, ich würde jedoch immer die kleinen Hintergässchenlokale empfehlen, in denen die Gerichte teilweise gerade so die Hälfte kosten. Kulturell ist die Stupa auf dem Hausberg der Stadt zu empfehlen, die man mitsamt Bootstrip und ein paar Wanderstunden erreichen und umrunden kann. Am Ende unseres Aufenthalts fand das berühmte Holifestival statt, in dem so ziemlich jeder Mensch ganz Nepals auf den Straßen feiert und sich mit grellen Pulverfarben bewirft. Selten habe ich so etwas Buntes und Verrücktes erlebt, wie ein riesiger Mob streichen die Menschenmassen durch die Straßen und lassen es sich dabei auch nicht nehmen, engen Körperkontakt zu suchen und die Farben wirklich überall an einem abzuschmieren, sobald man mit der Masse verschmilzt. Wenn man etwas Acht gibt, kann man sich dem aber entziehen, ganz anders sieht es aus mit den gefühlten Millionen Litern Wasser, die von Dächern, Balkons und Fenstern auf die Vorbeilaufenden geschüttet werden. Es war unfassbar! Pokhara ist eine schöne Stadt, die man unbedingt bei einer Nepalreise besuchen sollte. 


Das Highlight meiner gesamten Reise war unsere 8-tägige Wandertour mit dem Anapurna-Basecamp auf fast 4200 Metern als Ziel. Der Anapurna-Berg selber ist mit 8091 Metern der zehnthöchste Berg der Welt und seine zwei bekanntesten Routen führen entweder um das beeindruckende Bergmassiv herum, oder eben zu dem genannten Basiscamp, welches den Verrückten, die es wirklich zur Spitze wagen möchten, Chance zur Aklimatisierung bietet. Mit 10 vorgeschriebenen Wandertagen erschien uns die Tour als gerade richtig und nachdem die Eintrittskarten für das Gebiet beantragt waren und wir uns mit reichlich MoMos (nepalesische Maultaschen) gestärkt hatten, begannen wir den Anstieg. 
Der Weg zum Camp führt über viele andere Berge langsam immer weiter nach oben, weshalb es keine Seltenheit war, dass wir nach einem anstrengendem Aufstieg von 700 Metern wieder 500 absteigen mussten, um das nächste Dorf auf der Route zum Übernachten zu erreichen. 
Die ersten drei Tage waren geprägt von unzähligen (!) steilen Treppenstufen, Ziegenherden, starkem Sonnenschein und sagenhaften Ausblicken auf das Tal, welches hinter uns lag und immer mehr in die Ferne rückte, und die weißen Gipfel vor uns, die immer mehr von sich Preis gaben, je weiter wir uns in Richtung Camp kämpften. 
Überall auf der Route befindet sich ca. alle zwei bis drei Stunden ein kleines Dorf mit wenigen Häusern, in denen für ca. einen Euro ein Bett für die Nacht gefunden werden kann. Pünktlich um sieben Uhr Morgens waren unsere Rucksäcke dann für die nächste Etappe gepackt und wir stapften in Richtung Ziel. Spätestens gegen 4 Uhr Nachmittags war der Himmel jeden Tag mit schwarzen Wolken verhangen und ein heftiger Regenschauer und unsere brennenden Beine zwangen uns, nach 6 - 8 Stunden Bergerklimmens erneut nach einem Platz für die Nacht zu suchen. 
Am vierten Tag kratzen wir an der 3000-Meter-Marke und ich bemerkte leichte Erscheinungen der Höhenkrankheit. Ich bekam heftige Atembeschwerden, Übelkeit und konnte tagsüber nicht mehr Essen als eine halbe Schüssel Müsli, was für eine solch anstrengende Tour nicht von Vorteil ist. Obwohl ich wohl kaum jemals so enttäuscht war, musste ich mir eine Tagesetappe vor dem Ziel eingestehen, dass ich nicht weiter gehen durfte. Mein absolut fantastischer Lieblingsmensch erklärte sich sofort dazu bereit, ebenfalls auf das Erreichen des Ziels zu verzichten und stattdessen mit mir den Rückweg anzutreten, während die anderen beiden es tatsächlich nach oben schafften. Im Nachhinein weiß ich, dass ich nicht mehr als 500 Meter Höhenunterschied pro Tag hätte bewältigen dürfen und ich möchte, dass ihr alle diesen Tipp befolgt, solltet ihr jemals solch eine Wandertour bestreiten. Als ich jedoch Nachts nach Tag 4 mit Handschuhen und Mütze und allen Klamotten, die ich dabei hatte, unter zwei Lagen Decken in einem klammen Bett lag, während der eisige Wind durch das undichte und natürlich unbeheizte Zimmer blies, war ich für ein paar kurze Augenblicke froh, doch nicht weiter aufsteigen zu müssen. 
Der Rückweg war wunderschön und führte uns an Wasserfällen und Reisfeldern vorbei, über klapprige Hängebrücken zu Unterkünften mit unvergesslichen Ausblicken auf die Berge. In heißen Quellen konnten wir uns von den Strapazen erholen und zum ersten Mal tagsüber ein bisschen die Füße hochlegen. Als wir wieder in Pokhara ankamen und ich beim letzten Treppenabstieg befürchtete, meine Beine könnten jeden Moment durchbrechen, wurde ich überwältigt von dem stolzen Gefühl, ein anderer Mensch zu sein. 


Auf dem Busweg von Pokhara zurück nach Kathmandu liegt auf 1000 Metern das kleine Bandipur, ein Dorf auf einem ca. 200 Meter breitem Sattel, auf den gerade so eine Straße und auf beiden Seiten mehrstöckige Lehmhäuser passen. Die Abgeschiedenheit des Dorfes und die gut erhaltene Architektur der wunderschönen Häuserbauten waren der Grund, warum es uns hierher verschlug. Wir fanden eine Unterkunft mit einem urigem Zimmer und einem sagenhaften Ausblick direkt von meinem Bett aus. Bandipur ist ein Ort, an dem sich bestimmt so mancher Althippie niederlässt, um zufrieden auf seiner Gitarre zu spielen, während der Blick über das Gebirge schweift. Ich mochte es hier sehr, jedoch hat eine Übernachtung zur Besichtigung des Ortes und der Umgebung ausgereicht. 


1. Nepal ist ein Abenteuer. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich diese Art von Reisen liebe. Für unglaublich wenig Geld kann man hier von Ort zu Ort kommen, wohnen, essen, trinken und leben. Natürlich darf man aus diesem Grund auch nicht den Luxus erwarten, den wir in Deutschland für selbstverständlich halten. Die Busreisen von einer Stadt zur nächsten über die schmalen, matschigen Bergstraßen, auf denen regelmäßig Autos in die Tiefe stürzen, waren angsteinflößend. Strom, warmes Wasser und Wasser im allgemeinen sind keine Selbstverständlichkeit und auch die Hygiene und das richtige Lagern von Speisen und Getränken steht hier nicht immer an der Tagesordnung. Wenn man jedoch darauf achtet, was man isst, dass man nur Wasser aus Flaschen trinkt, die vorher versiegelt waren und man mit etwas Sinn für Vernunft seinen Weg beschreitet, kann man daraus das Beste machen, ohne dass es wirklich schwer fällt. 
2. Wie in meinen anderen Reiseberichten möchte ich euch gerne den Tipp geben, so gut wie möglich mit der heimischen Kultur zu verschmelzen und sie anstatt als Leid als Geschenk anzusehen. Gast in einem Land zu sein bedeutet, die Regeln und Sitten eines diesen zu Beobachten und zu verinnerlichen und sie ernst zu nehmen. Unterhaltungen und Erlebnisse mit Einheimischen sind meist tolle Erlebnisse, von denen man profitieren kann. 
3. Finde die richtige Mischung zwischen Risiko und Sicherheit. Ich habe auf dem Shiva-Festival einen Gleitschirmflug gewonnen und meine erste Reaktion war, diese Chance auf keinen Fall wahrzunehmen. Ich bin im Nachhinein so froh, dass ich mich durchgerungen habe, indem ich mich ganz genau über die Sicherheit und die Erfahrung der damit zusammenhängenden Organisation informiert hatte. Der Flug war fantastisch und ich bin so stolz auf mich, dass ich ihn mitgemacht habe. Manchmal muss man einfach Ja sagen und auf das Bauchgefühl hören. Natürlich gehört auch hier ein gewisses Einschätzungsvermögen dazu, man sollte sich über mögliche Gefahren informieren und keine leichtsinnigen Wege ohne die Begleitung eines Vertrauten einschlagen. 
4. Nepal ist eine bunte Mischung aus Sonne und Schnee und Regen und Wärme. Obwohl ich überzeugter Verfechter der ungeplanten Reise bin, gehört ein gewisses Maß an Informationen über die Lage im Land dazu, um optimal packen zu können. Ich hatte jede Menge kurze Hosen und T-Shirts, aber auch eine Fleecejacke mitsamt Windbreaker dabei. Für eure Wanderungen, bei denen ihr nun wirklich keinen engagierten Träger braucht, reicht hingegen eine Jeans, 2 T-Shirts, 2 paar Unterwäsche, eine Zahnbürste und eine überlebensnotwendige Rei aus der Tube zum Waschen. Ein gesunder Rücken nach der dritten Tagesetappe ist wichtiger als eine nach Blumenwiese und Kokosnuss riechende Wanderbegleitung.
Und 5.

Ich hoffe, ihr habt meinen Bericht gerne gelesen und traut euch vielleicht auch einmal zu solch einem fremdartigem Trip. Ich kann nicht abwarten, meine nächste Reise zu bestreiten. 

1 Kommentar:

  1. Als Dauer-Fernwehkranke liebe ich es ja, solche Berichte zu lesen! :)
    Hört sich unglaublich toll an und die Bilder sind ein Traum! Kann es kaum erwarten, auch endlich wieder auf Reisen zu gehen - nur fehlen mir für solche Abenteuer-Trips irgendwie willige Begleiter ;)
    Liebste Grüße,
    Kathi

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