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Dienstag, 11. Februar 2014

Heidelberg guide

Ich erinnere mich noch genau daran, als ich das erste Mal meine Füße in diese Stadt setzte. Meine Mutter hatte mir ein Wochenende in Heidelberg geschenkt und uns ein hübsches Zimmer für eine Nacht gemietet; und während wir die Stunden mit Shoppen, Sightseeing und Schlemmen verbrachten, wurde mir immer klarer, dass ich hier irgendwann einmal wohnen wollen würde. Es hat nicht lang gedauert, bis dieser Ort es schaffte, sein Netz aus Gemütlichkeit, Märchenkulisse und dieser unvergleichlichen Atmosphäre um mich zu spinnen. Als ich durch die gepflasterten Straßen lief und die kleinen, hübschen Häuser und die schnuckeligen Cafés betrachtete, wusste ich wohl gleich, dass diese Stadt zu mir passte, wie sonst selten eine andere. Als ich ein paar Jahre später den Zulassungsbescheid der Universität Heidelberg in den Händen hielt, hätte ich glücklicher kaum sein können. 
3 Jahre habe ich hier gelebt. Es ist wohl nie einfach, sein Elternhaus zu verlassen, und ganz alleine in eine fast noch fremde Stadt zu ziehen, eine leere Wohnung vorzufinden, eine leere Kapitelseite mit leerem Erinnerungsschatz. Es hat mehr als ein Jahr gedauert, bis ich anfing, das hier alles als mein zu Hause anzusehen. Dieses Jahr war schwer, und doch hat es mich mit meinem Heidelberg zusammen geschweißt. Wir haben zusammen etwas durchgemacht, und die Monate danach kamen als Belohnung geprägt von Freundschaft, Abenteuern und schlaflosen Nächten voller Glück. Ich werde diese Stadt nun verlassen, halb freiwillig, halb gezwungen, aber vergessen werde ich sie nie. Auch wenn es mich traurig macht, ich freue mich, euch meine große Liebe vorzustellen, und ein paar Tipps und schöne Orte mit euch zu teilen. 


Was mich am meisten an dieser Stadt erfreut, ist die fast schon sonderbare Atmosphäre. Kleine Gässchen laufen verwinkelt durch den Kern der Altstadt, und ein skuriler Antiquitätenladen folgt dem nächsten. Als Studentenstadt wird all das neu gehalten, indem beim Gang durch die Straßen der Blick vom einem jungen Gesicht ins nächste folgt. Am Tag erscheint mir die Stadt wie im Märchen. Sie erstreckt sich am Neckar entlang, und wenn die Sonne scheint und das Wasser glitzert, denke ich jedes Mal, ich bin auf sorglosen Reisen. Umringt von Bergen liegt das Schloss, welches sich majestätisch über die Altstadt erstreckt, und Touristen aus aller Welt anzieht. Villen reihen sich neben alte Herrenhäuser, und doch spaziert das Publikum nicht mit erhobener Nase durch die Gegend. Freundliche und offene Studenten regieren diese Stadt, und wenn es Abend wird, kommen sie aus ihren Zimmern und erobern die vielen Kneipen und Bars. Ich habe heute versucht, diese Atmosphäre mit meiner Kamera für euch einzufangen, und möchte euch gerne von einem Lieblingsplatz zum nächsten führen.


Das Heidelberger Schloss ist eine der berühmtesten Ruinen Deutschlands, und ein absolutes Muss für jeden, den es nach Heidelberg verschlägt. Während der Zugang zum Innenhof und das Schlossmuseum Eintritt kosten, ist der Rundweg um die Ruine herum und der Gang in den dazugehörigen Garten kostenlos. Aus dem Schlosspark hat man einen gigantischen Blick über die Altstadt bis nach Mannheim und noch weiter. Einer meiner schönsten Erlebnisse hier war wohl, als ich Nachts hier hoch kam, und viele Stunden im Schlafsack eingewickelt und meine Thermoskanne umklammernd über die Stadt hinweg blickte, und aus dem Staunen kaum mehr heraus kam. 


Nördlich von Heidelberg führt über den Heiligenberg der sogenannte Philosophenweg. Am Steilhang entlang hat man eine wunderschöne Aussicht auf das Schloss und die Altstadt, und ich habe hier unzählige Stunden verbracht und mit tollen Menschen die Natur genossen. Relativ unscheinbar beginnt der Weg in Neuenheim, führt dann sehr steil durch eine der teuersten Wohngegenden der Umgebung, und kann wieder über eine Treppe verlassen werden, die zur alten Brücke führt. Über den Philosophenweg erreicht man auch die berühmte Thingstätte, eine Art Amphitheater, welches nach einem etwas längerem Anstieg des Heiligenberges erreicht werden kann. Jedes Jahr zum 1. Mai wird hier die Walpurgisnacht gefeiert, und bis zu 20.000 Leute pilgern den Berg hinauf, um zu feiern, zu singen und zu tanzen (all das ohne Elektrizität, was alles noch magischer macht). Seitdem ich das einmal erlebt habe, werde ich diesen Tag wohl niemals mehr wo anders verbringen. 


Wieder in die Altstadt zurück gefunden empfehle ich jedem einen abendlichen Besuch der sogenannten Unteren Gasse. Hier trifft sich nicht nur am Wochenende jeder, der eine gute Zeit haben möchte. Eine wunderbare Mischung aus Cocktailbars und verrauchten Schuppen nur wenige Meter von einander entfernt machen diesen Ort zu einem Gewühl aus buntem Treiben, Heiterkeit und wenig Schlaf. Ich mag das Weinloch ganz besonders, da es nirgendwo anders so ein gemischtes Publikum gibt, und die Preise bezahlbar sind. Vom alten Herren mit Pferdeschwanz bis zur U25 Mädelsgruppe gibt es alles, und am Ende liegen sich doch alle in den Armen und singen gemeinsam. Auch am Tag hat die Untere Gasse sehr ausgefallene Läden und hübsche Cafés zu bieten. Ich komme hier immer gerne her. 


Wie schon erwähnt, gibt es in Heidelberg schnuckelige Cafés und urige Restaurants, und davon unzählige. Richtig Essen gegangen bin ich hier selten, aber ich habe mir oft einen Tee irgendwo geholt, oder ein Sandwich genossen. Erinnerungswürdig sind für mich trotzdem die Besuche in der Schnitzelbank in der Bauamtsgasse (Weinstube mit fantastischem Essen) und ein romantisches Dinner im Coyote Cafe (sehr zentral mit köstlichen Salaten und Burgern). 


Ich wusste bis vor kurzem Nicht, dass die Fußgängerzone in Heidelberg tatsächlich die längste Einkaufsstraße Europas ist. Trotzdem musste ich natürlich schon feststellen, dass man über 3 Jahre hier wunderbar sein Geld lassen kann, was für mich nicht unbedingt an den herkömmlichen Läden wie H&M, C&A und so weiter liegt, sondern eher an Schmuckstücken wie auf den Fotos. Auch wenn die richtigen Antiquitäten- und Secondhand Läden eher in den Nebengassen zu finden sind, so hat auch die Hauptstraße einiges zu bieten. Fest steht: Ein Gang an all den Läden vorbei macht mich glücklich, tief im Inneren bin ich eben doch ein ganz normal typisches Mädchen. 


Leider konnte ich heute auf meiner kleinen Tour nicht alle Orte abklappern, die in meinem Herzen ihren ganz eigenen Platz gefunden haben. Die Villa Nachttanz zum Beispiel ist einer dieser Orte. Was am Anfang ein herunter gekommenes Haus etwas außerhalb der Stadt war, wurde von vielen fleißigen Händen renoviert und künstlerisch vervollständigt, und bietet nun Raum für Ausstellungen, Konzerte, Partys, Theater, Vorlesungen, oder einfach nur dem Zusammensein am Lagerfeuer. Mich beeindruckt dieser Ort, da hier nur derjenige seinen Weg hinfindet, der ein Interesse an Kunst, Musik und alternativem Zusammensein pflegt. Ähnlich gut gefällt mir der Karlstorbahnhof, ein Etablissement direkt am S-Bahnhof der Altstadt, in dem oft fantastische Konzerte statt finden. Außerdem gibt es hier das Karlstorkino, im welchem nicht selten interessante und faszinierende independent Filme gezeigt werden. Was auch erwähnenswert ist, ist die tolle Umgebung, in welcher Heidelberg liegt. Wander- und Fahrradwege gibt es zu gefühlten tausenden, und in einer halben Stunde läuft oder radelt man an grünen Feldern entlang, und sieht in der Ferne Burgen und Landschaften, die das Herz mit Glück erfüllen. Aber auch in der Stadt selber kann man etwas davon mitbekommen: Die Neckarwiese erstreckt sich von der Theodor-Heuss-Brücke bis zur Ernst-Walz-Brücke und ist somit mit fünf Hektar die größte innenstädtische Grünflache. Sobald im Frühling die ersten warmen Sonnenstrahlen heraus kommen, füllt sich die Wiese mit hunderten Menschen mitsamt ihren Grills, Frisbees und Picknickdecken. 


Diesen Eintrag so nüchtern wie möglich zu schreiben fällt mir schwer. Heidelberg ist mein zu Hause, und ich könnte im Moment über jeden Zentimeter dieser Stadt einen liebevoll geschriebenen Absatz verfassen. Trotzdem möchte ich mich kurz halten. Danke, Heidelberg. In den drei Jahren, die du mir geschenkt hast, hast du mich verändert. Ich bin erwachsener geworden, und wir teilen nun Erinnerungen von Abenteuern, Schmerz, Freude und Freundschaft. Du hast mich manchmal verzweifeln lassen, und doch habe ich nie einen Ort so sehr geliebt. Wir sehen uns wieder. 

1 Kommentar:

  1. Reiseführer gibt es genug, Postkartenmotive auch! Wie viel inniger und vielsagender ist deine Liebeserklärung an diese schöne Stadt. Ein Kapitel im Buch deines Lebens ist beendet, freu dich auf ein neues; auf leere Seiten, die mit Gefühlen, Abenteuern, Tränen und hoffentlich meistens mit einem Lächeln gefüllt werden wollen. Und klar ist: Heidelberg ist immer eine Reise wert!Nach deinem Beriht möchte ich sowieso gleich hin.

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