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Dienstag, 10. Dezember 2013

Indien travelguide

Wer mich gut kennt, der weiß, dass ich für mein Leben gerne reise, und das am liebsten fernab von 5 Sterne Hotels, mit einem Rucksack auf dem Rücken und guten Freunden an meiner Seite. Diese Leidenschaft begann, als ich 2010 mit meinem guten Freund Manuel meine allerliebste Freundin Toni in Indien besuchte, die dort für eine Weile im Norden voluntiert hatte. Unser Plan war, sie in Delhi abzuholen, und dann für ein paar Wochen gemeinsam so viel vom Land zu entdecken, wie wir konnten. Dass daraus die schönste Zeit meines Lebens werden würde, konnte ich zum Anfang unserer Reise noch nicht ahnen, aber ich habe seitdem nie lange aus dem Kopf bekommen, was, und in welcher Intensität wir dort erlebt haben. Ich möchte euch hiermit meine Reise als kleinen travelguide vorstellen, vielleicht teilt irgendwer da draußen ja meine Leidenschaft mit mir, und ich kann euch für euer Abenteuer mit ein paar Tipps und Erfahrungen behilflich sein :). Wer die Zeit seines Lebens haben möchte, dem empfehle ich, es mir einfach detailgenau so nachzumachen!


Unsere Reise begann mit einem langen Flug vom Flughafen Frankfurt nach Delhi. Das einzige Hostel, was wir uns gebucht hatten, befand sich in dieser riesigen, überwältigenden Stadt, damit wir direkt nach dem Flug einen Anlaufpunkt haben konnten. Wir haben uns ein Backpacker-Hostel ausgesucht, was ich jedem anderen Reisenden nur wärmstens empfehlen kann. Andere Menschen auf Reisen kennen zu lernen ist eine der wichtigsten Dinge, um gute Erfahrungen zu sammeln. Tipps aus erster Hand umzusetzen macht eine Reise erst unvergesslich. In Indien kommt man überall wunderbar von einem Punkt zum anderen, indem man sich ein TukTuk ruft - Das sind die winzigen grün-gelben Gefährte, die ich hier in Deutschland so oft vermisse. Bei den Fahrpreisen gilt: Handeln, handeln, handeln! Auch wenn ich vorher dachte, dass ich so etwas niemals könnte, merkt man bald, dass das Handeln bei den Indern fast zur Kultur gehört. Man kann so viel sparen, und oft die Preise auf die Hälfte runterhandeln, egal ob es sich um Taxen, Unterkünfte oder Souvenirs handelt. 


Delhi ist eine riesige Stadt voller Eindrücke, Menschen, Gerüchen, Denkmälern und Tempeln, so dass man fast nicht weiß, wo man anfangen soll. Manchmal ist es einfach gut, sich in ein TukTuk zu setzen, und sich quer durch die Stadt fahren zu lassen. In den wenigen Tagen, die ich in der Stadt hatte, habe ich mir das Red Fort (Eine gewaltige Festigungsanlage im Zentrum), die Jama Masjid Moschee (die größte Moschee Indiens und eine der größten der Welt), das Qutub Minar (ein beeindruckender Siegesturm in einer Tempelanlage und einer der höchsten Turmbauten der islamischen Welt) und den Lotustempel  (ein Tempel in Form einer Lotusblüte) angesehen, wobei Letzterer für mich am beeindruckendsten war. Was jedoch all das um einen Deut übertraf, war sich einfach mal von den vollgepackten Hauptstraßen zu entfernen, und immer weiter in die labyrinthartigen Nebengässchen hervorzuwagen, in der man das richtige Leben dort direkt vor der Nase mitbekommt. 


Als nächstes nahmen wir den Zug von Delhi nach Varanasi, die 780 km entfernte, heilige Stadt Indiens. Nach mittlerweile einer Woche im Land kam es zum Unausweichlichen und ich wurde auf der 12-Stündigen Zugfahrt so krank, dass ich nur noch bleich aus dem Fenster starren konnte. Für einen solchen Moment gibt es ein paar goldene Regeln: Immer eine Rolle Klopapier im Rucksack stecken haben, niemals vergessen sich die Hände zu waschen und nur Wasser zu trinken, was vorher verschlossen war, und last but not least - Augen zu und durch! Zum Glück kann man in Indien in fahrenden Zügen die Zugtüren öffnen, frische Luft schnappen, und die Landschaft an sich vorbei rasen sehen. Wer das nicht tut, verpasst einen der größten Vorzüge dieses Landes, es ist ein bisschen wie durch ein lebensechtes Museum zu rasen. 


Varanasi selber liegt direkt am Ganges und ist die wohl faszinierenste Stadt, in die ich jemals meine Füße gesetzt habe. Sie ist gesäumt von religiösen Bade- und Verbrennungsstätten, und eine Todeszeremonie dort mitzubekommen war für mich ein ehrwürdiger Moment. Ansonsten lohnt es sich auch hier, einfach durch die Straßen oder am Ufer des Ganges entlang zu laufen und alles auf sich wirken zu lassen. Der Markt im Zentrum auf der Straße zum Fluss ist fast schon eine Sehenswürdigkeit. Übernachtet haben wir dieses mal nicht in einem Hostel, sondern in einem guesthouse, welches von einer sehr gastfreundlichen indischen Familie geführt wurde. Das war eine fantastische Entscheidung, da es eine wunderbare Art und Weise ist, noch tiefer in das indische Leben und die Kultur einzutauchen. Von der Hausbesitzerin bekam ich eine wohltuende Handmassage mit selbst gemachten, ätherischen Ölen, nachdem sie meinen Arm mit Henna bemalt hatte.   


In Amritsar verbrachten wir nur eine kurze Zeit, da wir hauptsächlich dort hin gefahren waren, um uns den berühmten goldenen Tempel anzusehen. Der Tempel selber ist vollständig in Blattgold gehüllt und liegt in der Mitte eines künstlich angelegten Sees. Umgeben ist der Tempel von einer Anlage, die den anreisenden Pilgern und Reisenden wie uns bis zu drei Nächste kostenlos Unterschlupf und einfach Essen bietet. Da zu dem Zeitpunkt, zu dem wir dort waren, alles voll war, sind wir auf ein nahe liegendes Hostel umgestiegen. Im Tempel finden fast den ganzen Tag Zeremonien statt, dessen Gesänge durch Lautsprecher über das ganze Gelände übertragen werden, was eine magische Atmosphäre schafft. 


Wir hatten das große Glück, bei unserem nächtlichen Besuch einen Guru kennen zu lernen, mit dem wir eine inspirierende Unterhaltung über Religionen, Karma und das Leben führen durften. Diese Erinnerung werde ich niemals vergessen, und zeigt nur wieder, wie wichtig es ist, auf solch einer Reise offen auf Menschen jeder Art zuzugehen, und sie willkommen zu heißen, wenn sie Selbiges tun. 


Nach einer erneut ewig andauernden Busfahrt erreichten wir Dharamsala, eine Stadt am Fuße der Himalaya Kette und außerdem die Heimatstadt des Dalai Lamas und demnach vieler buddhistischer Tempel. Aus vielen Gründen war sie wahrscheinlich meine Lieblingsstadt auf der gesamten Reise: Nach der fast unerträglichen Luftfeuchtigkeit Mittelindiens empfing uns eine angenehme Temperatur, außerdem konnte ich erstmals in meinem Leben etwas von der buddhistischen Kultur mitbekommen, die mich schon immer fasziniert hat. Dharamsala selbst ist ein kleines Städtchen voll mit leckeren Restaurants, Ständen mit tollem Schmuck und hübschen Souvenirs und einer tollen Mischung aus Pilgern, Einwohnern und Backpackern. 


Überall in der Stadt befinden sich bedeutende, buddhistische Tempel, von denen wir auch einen besuchten. Ich wäre gerne länger geblieben, und hätte einen der unzähligen Meditationskurse wahrgenommen, die dort überall angeboten wurden. Dharamsala ist ein wahrlich inspirierender Ort, und ich empfehle jedem, ihn einmal zu besuchen. 


Von Dharamsala aus gönnten wir uns zum ersten Mal ein bisschen Luxus, und entschieden uns für einen klimatisierten Bus mit gepolsterten Sitzen, in dem wir die ganze Nacht nach Shimla fuhren. Der Anblick, der uns bot, war faszinierend: Die Stadt liegt in etwa 2200 Metern über dem Meeresspiegel auf einem Bergrücken des mittleren Himalaya. Über viele Jahre befand sich hier während der Sommermonate aufgrund der angenehmen Temperaturen der Rückzugsort der gesamten Regierung Britisch-Indiens. Heutzutage macht sich das bemerkbar durch die westliche Architektur. Im Zentrum der Stadt befindet sich die Hauptstraße mit britisch angehauchten Läden und Restaurants, was sicherlich mal ein Besuch wert ist, wir waren jedoch froh, schnell wieder in unser mittlerweile heimisch gewordenes Indien zurück kehren zu können. 
Absolut empfehlenswert ist der Besuch des Monkey Tempels. Hoch auf einem Berggipfel liegt ein Tempel, welcher einen leichten, jedoch etwas längeren Anstiegs bedarf. Schon auf dem Weg dorthin beobachten einen Affen mit neugierigen Augen aus den Bäumen. Oben angekommen gibt es Affen soweit das Auge reicht, und man ist gut daran, sein wichtigstes Eigentum fest an sich zu klammern. Für mich als Tierliebhaberin war es jedoch ein unvergessliches Erlebnis: Stellt euch selber in einem Affengehege in einem Zoo vor, der einem buddhistischen Tempel nachempfunden ist, und nehmt die Menge der Affen ungefähr mal zwanzig; so ähnlich habe ich mich gefühlt. 


Unsere Weiterreise in die nächste Stadt bestritten wir mit der sogenannten toytrain. Es handelt sich hierbei um eine Schmalspurbahn, die auf der Strecke zwischen Shimla und Kalka hin und her fährt, und bei Touristen wegen der atemberaubend schönen Streckenführung außerordentlich beliebt ist. Als ich selber in der Bahn saß, und bei offener Tür in die Landschaft starrte, wusste ich warum. Die saftigsten grünen Hügel wechselten sich ab mit den fantastischsten Ausblicken über Städte auf Bergketten und verwilderten Wäldern. Kurz gesagt: Die Fahrt ist ein absolutes Muss, wenn man sich auf seiner Reise in der Gegend wieder findet.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Delhi, bei dem wir meinen Liebsten am Flughafen abholten, der uns ab jetzt begleiten sollte, befanden wir uns im Zug nach Agra. Vorrangig fuhren wir hierher, um uns das Taj Mahal anzusehen. Dazu hatten wir uns einen der wahrscheinlich luftfeuchtesten Tage der Geschichte der Menschheit ausgesucht, was der Faszination über dieses atemberaubende Gebäude natürlich nichts abtat. 


Den Rest unserer Zeit verbrachten wir im TukTuk einer sehr freundlichen Fahrers, der uns für einen kleinen Preis über zwei Tage durch die ganze Stadt fuhr, und uns die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zeigte, und uns ein paar Restaurants und Läden vorstellte. Ein Tipp von mir wäre an dieser Stelle, nicht immer gleich die Angebote der Rikshafahrer auszuschlagen, da man schnell immer den Eindruck bekommt, man würde immer nur übers Ohr gehauen werden. Ein paar ehrliche Leute haben wirklich das Interesse daran, einem eine schöne Zeit zu verschaffen. Auch bei der Suche nach einer passenden Unterkunft wird man immer wieder von Menschen angesprochen, die einem anbieten, bei der Suche zu helfen, damit sie beim Hostelbesitzer eine kleine Provision bekommen. Nach kurzer Zeit haben wir gelernt, diese Angebote nicht immer aus Angst abzuschlagen, sondern den Menschen Vertrauen zu schenken. Oft haben wir dadurch tolle Zimmer gefunden, die unseren Ansprüchen entsprachen, und somit hatten beide Seiten gewonnen. :)


Nach vielen Tagen, in denen ein Ereignis dem nächsten folgte, und wir andauernd auf den Beinen waren, hatte ich das riesengroße Bedürfnis nach Ruhe und Frieden. Ich wusste schon vor meiner Reise, dass ich diese gerne mit einem paradiesischem Ort zu zweit mit dem Mister abschließen wollen würde, und hatte mich im Voraus für die Andamanen entschieden. Hierzu nahmen wir einen Flieger von Delhi nach Kalkutta und von dort nach Port Blair, die Hauptstadt der Inselgruppe. In einem Hostel hatte ich von einem netten Reisenden den Tipp bekommen, sofort die überfüllte und wuselige Hauptinsel zu verlassen, und eine Fähre auf das nahe liegende Havelock Island zu nehmen. Wir folgtem diesem Rat, und befanden uns kurze Zeit später in einer winzigen Strohhütte direkt am Strand unter Kokosnussbäumen. 


Ganze zwei Wochen durfte ich im Paradies verbringen. Es war eine gigantische Zeit, die wir damit verbrachten, auf einem halb-funktionierenden Motorroller jeden einzelnen Winkel zu erkunden, Ananasse gegen Palmen zu schmeißen, und einfach die Seele baumeln zu lassen. 


1. Um sich auf seiner Reise durch Indien wohl zu fühlen, muss man bereit sein, die heimische Kultur dort anzunehmen und zu akzeptieren. Für die Menschen dort ist man absolut exotisch. Man wird alle 5 Minuten auf der Straße angesprochen und nach einem Foto gefragt. Es kommt ebenfalls öfters vor, dass man über mehrere Minuten lang von einer Person angestarrt wird. Armut und Krankheiten gehören dort auf der Straße zur Tagesordnung, und man muss schon ein bisschen hartgesotten sein, um bei dem Anblick nicht sofort wieder umzudrehen. Fremde Gerüche und Geschmäcker erwarten einen, ohne groß Rücksicht zu nehmen. Wenn man jedoch bereit ist, sich auf all das einzulassen und es in die eigene Erfahrung mit einzubeziehen, wird sich diese Reise mit einem Unterschied zu all euren anderen vorher unterscheiden: Sie wird höchstwahrscheinlich eure Lebenseinstellung komplett verändern. 
2. Sicherheit sollte immer an erster Stelle stehen. Ich bin nie ohne männliche Begleitung auf die Straße gegangen. Meinen Pass und mein Geld hatte ich immer bei mir in einer Tasche um meinen Bauch geschnallt und unter meinen Klamotten versteckt. In den Zügen habe ich stets mit meinem Rucksack gekuschelt und ihn selten aus den Augen gelassen. Nichtsdestotrotz habe ich mich so gut wie nie unsicher gefühlt, und es ist kein einziges mal etwas passiert. Die Menschen dort sind so freundlich wie kaum irgendwo anders, und man sollte ihnen nicht mit Vorurteilen begegnen. 
3. Reist mit wenig Gepäck und Geld. Wenn ihr ähnliche Ansprüche habt wie ich, dann wird der Flug das teuerste an der ganzen Reise sein. Ich wette, meine Übernachtung bei der indischen Familie war fast wertvoller als eine Übernachtung in einem Sternehotel. Zugfahrten in der Holzklasse waren zwar anstrengend, aber werden mir wahrscheinlich viel eher in Erinnerung bleiben, als wenn ich erster Klasse unterwegs gewesen wäre. So ist es viel einfacher, in das Leben dort einzutauchen.
4. Seid offen und willkommend. Auch wenn ein Restaurant schäbige Plastikstühle hat und der Inder hinter der Bar euch komisch mustert, heißt dass nicht, dass das Essen nicht das beste in der ganzen Stadt ist. Redet mit anderen Reisenden. Bucht vorher keine Züge, Unterkünfte oder Unternehmung, außer vielleicht für die erste Nacht. So könnt ihr euch einfach treiben lassen, und euch den Menschen anschließen und an den Orten verweilen, die ihr am liebsten mögt. 

Indien hat mein Leben verändert, und obwohl es schon mehr als 3 Jahre zurück liegt, wird es für mich immer unvergesslich bleiben. Ich freue mich über allerlei Fragen! Alles Liebe, 

Kommentare:

  1. Uiiiii... wie schön!!! Danke, dass ich in deine Indienreise eintauchen durfte. Ich war selbst 7 Monate in Südost-Asien unterwegs (Thailand, Laos, Cambodia, Vietnamn, Singapur, Malaysia, Indonesien & Philippinen) - leider habe ich Indien nicht mehr geschafft, aber es steht noch ganz groß auf meiner To-Do Liste und ich werde sicher mal mit ein paar Fragen auf dich zurückkommen ;)

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    1. In Thailand und Malaysia war ich 2012, aber leider nicht 7 Monate, wie fantastisch :O darüber würde ich jedenfalls auch gerne noch einen Bericht schreiben :) Danke für den netten Kommentar!

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  2. dein Bericht ist intensiv und lebendig geschrieben, dass ich fast meinte, mit dabei gewesen zu sein, Indien muss ein faszinierendes Land sein. Dein travelguide zeigt so sehr, was man vom Leben und den Menschen bekommen kann - das hat nichts mit dickem Geldbeutel zu tun, sondern einzig und allein mit Herzenswärme und Mut. Seid offen und willkommend!!!! Wie wunderschön……

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    1. Meine Erfahrung aus 6 Wochen schön in ein paar Sätzen zusammen gefasst :) Vielen lieben Dank!

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  3. ach das sieht sehr schön aus. aber sag mal, man hört ja immer wieder von verbrechen in indien - gerade gegen frauen. wie sieht es wirklich aus? kann man sich sicher in kleinen Randstraßen bewegen?

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    1. Hey Vanessa! Das ist eine wichtige Frage und hängt wahrscheinlich auch etwas mit meiner Einstellung zusammen. Hätte ich Angst gehabt, wären mir viele der Erfahrungen, von denen ich erzählt habe, wahrscheinlich weniger möglich gewesen. Aber wie ich geschrieben habe, bin ich ja nie ohne Mann aus dem Haus gegangen. Man muss es hinbekommen, Spaß und Vorsicht gleichzeitig an erster Stelle stehen zu haben, und so habe ich zum Glück in den 6 Wochen keine einzige negative Erfahrung gemacht von der ich dir berichten könnte.

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